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Zukunft Schlägt Vergangenheit

Zukunft schlägt Vergangenheit

Die HSV Hochfranken stößt das Tor zur Handball-Landesliga weit auf. Mit Kampfkraft, Tempo und Dynamik zieht das junge Team den Altstars aus Kunstadt den Zahn. Noch warten aber drei Spiele.

Erfolgreicher Sport ist auch eine Frage der Lust. Das Spitzenspiel der Handball-Bezirksoberliga dokumentierte dies eindrucksvoll. Die gastgebende HSV Hochfranken zeigte Lust: Spielfreude, Tempo, Angriffslust. Und sie nahm Lust – dem Gegner, im speziellen dem 38-jährigen Altinternationalen Sergej Trotsenko. In der zweiten Halbzeit nahmen zwei, drei der sehr beweglichen HSV-Spieler den Ukrainer sofort klammernd in ihre Obhut, kaum, dass der Ball in seine Nähe kam. So resignierte der Mann, der vor der Pause gezeigt hatte, was er noch kann, und gönnte sich eine längere Pause auf der Bank. Die brauchte er vielleicht auch, weil ihm in der in jeder Hinsicht heißen Halle die Luft ausging.
Kraft und Kondition waren ein weiterer Faktor, der das Spitzenspiel entschied. Obwohl sie im Angriff meist Standhandball zeigten, bauten die Spieler des bisherigen Tabellenführers nach der Pause deutlich ab. Was es dem Gastgeber noch leichter machte, die in der Mitte sehr massive Kunstadter Abwehr zu überlisten, bevorzugt über die Außen Jan Schönberner und Dominik Krauß, die mit 14 über die Hälfte der Treffer erzielten.

Sie ragten heraus aus einem homogenen Team, in dem Jonas Dirr immer mehr Fäden zieht und damit den erfolgreichen Jugend-Kurs der HSV belegt. Aber auch alle anderen, Jugendspieler Frederik Dietel eingeschlossen, hatten ihren Anteil an dem Sieg, mit dem die Hochfranken nach Punkten zur HG Kunstadt aufschlossen und diese wegen des besseren direkten Vergleich überflügelten. „Wir hatten heute zwölf Mann auf dem Feld, der Gegner nur sechs“, beschrieb HSV-Trainer Luka Veraja des Plus seines Teams, zeigte sich aber überrascht, wie rasch der Gast das Zepter aus der Hand gab.

Was auch am 13. Mann der Hausherren lag. Vladimir Michanek im Tor, mehr als doppelt so alt wie einige Feldspieler, zeigte mit 15 Paraden alte Klasse, gerade in der Viertelstunde nach der Pause, als sich sein Team aufmachte, den entscheidenden Vorsprung herauszuspielen. Dabei halfen noch andere Faktoren mit: eine offensivere Variante in der eigenen Abwehr und ein Wechsel bei den Gästen, den niemand verstand. Torhüter Alexander Kießling, der vor der Pause sein Team auf Augenhöhe gehalten hatte, nahm auf der Bank Platz.
Und der zweite Mann im Gästetor erwischte kaum einen Ball, weder von den HSV-Außen noch von den anderen, die in wichtigen Momenten trafen: Stefan Stöckert zum 14:13, Kristian Görlitz zu vorentscheidenden 21:16 nach 45 Minuten oder Jan Becker zum 23:19, nachdem es noch einmal etwas knapper geworden war. Er leitete das Schaulaufen gegen resignierende und Luft pumpende Gäste ein, bei dem Michanek mit einer Hechtsprung-Parade im Rückwärtslaufen ein kleines Schmankerl servierte. Dem überragenden Jan Schönberner blieb es vorbehalten, den letzten Treffer zu setzen, ehe sich wenig später ausgelassene Freude ihre Bahn brach.

Trainer Veraja, den die Spannung und der Druck gewinnen zu müssen, einigermaßen zugesetzt hatte, wird dafür sorgen, dass der Jubel nicht in Überheblichkeit mündet. Denn die beiden folgenden Auswärtspartien sind keine Selbstläufer. Am kommenden Samstag könnte die dritte Mannschaft des Bundesligisten HSC Coburg manch überraschende Verstärkung aufbieten, und die SG Bad Rodach/Großwalbur, zwei Wochen später Gastgeber für die HSV, gilt als eine kleine Wundertüte. Nehmen die Hochfranken aber ihre Spritzigkeit, Einsatzfreude und Geschlossenheit vom Samstag mit, dann dürfte dem noch größeren Jubel beim Saisonfinale am 29. April gegen den TSV Weidhausen nichts im Wege stehen. Die Zukunft als möglicher Rückkehrer in die Landesliga hat übrigens schon lange begonnen. Der nachrückende Nachwuchs steht in den Startlöchern, ist sicher aber sicher dessen bewusst, dass er vor einem riesengroßen Sprung steht.

 

HSV Hochfranken – HG Kunstadt 26:21 (10:11)

HSV Hochfranken: Michanek (Köhler) – Becker (1), Dietel, Dirr (3), Görlitz (2), Herkt (1), Kempf (2), Kropf, Krauß (5), Ludwig (2/2), Mocker, Schönberner (9), Stöckert (1)
Schiedsrichter: Petra Heeg/Peter Wagner (Pegnitz/Röthenbach) leiteten gut. – Zuschauer: 500. – Strafzeiten: HSV 3, HG 1. – Siebenmeter: HSV 2/2, HG 2/1. – Spielfilm: 3:0, 4:1, 4:4, 6:5, 6:7, 9:8, 10:11 (Halbzeit), 13:11, 13:13, 17:13, 20:15, 22:19, 26:19, 26:21.

Wolfgang Neidhardt